Hallo Nadine,
bei mir ist das Ganze jetzt 4 1/2 Monate her und ich kann sagen, es geht aufwärts. Dein Wunsch nach einer neuen Sw. ist vollkommen normal, ich dachte auch im ersten Moment als ich erfahren habe dass Lea nicht mehr lebt, niemehr!! Aber als sie dann in meinen Armen lag, so perfekt, war mein Wunsch auf einmal so gross ein lebendiges Kind in Armen halten zu dürfen, irgendwann. Bei mir war es März, ich habe drei Zyklen abgewartet, und warte immer noch auf meine Mens.... mal sehen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich Lea untreu werde, dann gehe ich zu ihr ans Grab und erkläre es ihr. Dass ich sie so gerne dagehabt hätte, aber aus irgendeinem Grund sie nicht bleiben sollte/wollte und dass ich mich so alleine fühle und mir einfach noch ein Baby hier in diesem Leben wünsche, das lebt.
Mein Sohn ist 5 1/2 Jahre alt, und er versteht ganz genau was passiert ist. Wir sind an einem Sonntag vormittag ins Kh mit Wehen, und ich habe ihn bei der Oma gelassen und noch zu ihm gesagt, ich ruf dich nachher an dann kannst Du mit Oma+Opa mich/Papa und das Baby besuchen kommen und vergesse nie wie seine Augen gestrahlt haben. Er wusste dass er eine Schwester bekommt und hat sich sehr auf sie gefreut und ganz stolz erzählt wenn er gefragt wurde. Wir haben ihn auch in die Namenswahl miteinbezogen. Er hat auch so oft mit ihr gekuschelt und gesprochen und ihr einen Gutenachtkuss gegeben.
So.... und dann stehst Du da, und bei uns war es von Anfang an keine Frage ihn miteinzubeziehen. Er ist echt weit vom Kopf und will natürlich wissen was mit seiner Schwester ist und erwartet (im gegensatz zu einem dreijährigen, mein Neffe ist jetzt so alt und ihm kann man es definitiv nicht so erklären, deshalb kenne ich den Vergleich nur zu gut) eine Erklärung! Mein Mann ist dann nach hause gefahren hat ihn und meine Eltern ins Kh geholt, damit er seine Schwester sehen kann, sie sah aus als schliefe sie. Wir haben ihm dann erklärt, dass sie in meinem Bauch gestorben ist, ihr Herz vielleicht zu schwach war, und sie jetzt ein Stern am Himmel ist. Er war auch bei ihrer Beerdigung dabei, und das war gut so! Denn sonst hätte er mich ewig gefragt, warum Lea da in dem Loch ist und wo sie ist und warum usw. (er ist nämlich gerade in dem nervigen warum-Alter und lässt sich nicht mit Larifari-Erklärungen abspeisen, echt anstrengend manchmal

) Für ihn war das dann ok, er wusste wo sie geblieben ist und hat das auch jedem, der gefragt hat, erzählt. Wir haben uns eine Laminiermaschine angeschafft, und jedesmal wenn er Lust hat etwas für Lea zu basteln oder zu malen, schweiss ich das ein und wir machen einen Draht hin und er darf es ihr zum Grab bringen. Neulich hat er beim Radfahren Blumen gepflückt, die er ihr bringen wollte, sind dann direkt noch am Friedhof vorbeigefahren. Ich denke, das ist jetzt einfach ein Teil unserer Familiengeschichte und ich bin froh ihn so miteinbezogen zu haben. Für ihn war es viel schlimmer, dass alle um ihn herum traurig waren und geweint haben! Zu mir hat er gesagt: Mama, als alle in der Kirche geweint haben, habe ich es auch versucht, wirklich, aber es ging nicht. Und wenn er dann da steht, mit diesem ernsten Gesichtsausdruck, bin ich wiedermal aufs neue froh ihn zu haben, er bringt mich zum lachen.
Gestern hat er gefragt, ob ich denn endlich wieder ein Baby im Bauch hätte, denn er wünsche sich jetzt einen Bruder, naja mal sehen was ich machen kann.
Für mich war es auch sehr schwer, die ersten normalen Schritte wie Einkaufen, Kiga-bringen, Leute treffen usw. wieder zu machen. Aber aus Erfahrung weiss ich jetzt, wenn der erste Schritt getan ist, fällt der zweite leichter. Bei mir war es nochmal eine harte Nuss wieder die Leute von der Arbeit zu sehen, aber irgendwann musste ich auch das wieder tun, und ich war sehr froh, es endlich hinter mir zu haben. Seitdem ist mein Leben echt wie vorher, als wäre nie was gewesen.
Das bedeutet nicht, dass ich nicht an Lea denke, nein, das tue ich sekündlich, und ich bin auch sehr traurig wenn ich an sie denke, dass sie jetzt nicht bei mir sein darf! Aber eines hilft mir momentan, hört sich doof an jetzt, aber sie hat es eigentlich dort wo sie jetzt ist am allerbesten, nämlich bei Gott, sie hat einfach den schnellen Weg dorthin genommen ohne den Umweg leben. Weisst Du was ich meine, die die zurückgelassen werden, denen gehts echt besch...., aber Lea ist im Paradies. Das zieht mich manchmal hoch. Auch meine Angst vorm Tod ist gewichen, weil ich weiss es wartet jemand auf mich .... Und ich kann bestätigen, dass die Trauer sich wöchentlich verändert, hätte ich am Anfang nie gedacht, aber man lernt damit zu leben und die Heulabstände werden grösser!
So, soviel wollte ich eigentlich gar nicht schreiben, manchmal fällt es aber schwer es kurz und knapp zu machen. Wünsche Dir sehr viel kraft noch für die nächsten Wochen. Fühl Dich lieb gedrückt Kerstin